Senning



Senning vom Kogel aus gesehen

Die Katastralgemeinde Senning liegt am Fuße des Höhenrückens "Haspelwald". Dieser erstreckt sich in Ost-West-Richtung von Nähe Asperhofen bis Nähe Böheimkirchen. Der "Haspelwald" ist der letzte westliche Ausläufer des "Wiener Waldes". Wenn man ihn auf einer kurvenreichen Straße in Nord- Südrichtung durchfährt, kann man sich an einer sehr beschaulichen Landschaft erfreuen.

Vom Rand des Haspelwaldes aus hat man in Richtung Süden einen schönen Ausblick auf das unten liegende Dorf Senning und auf die in weiter Ferne liegenden Voralpen. Eine Besonderheit dieser Ortschaft ist ihre Größe, besser gesagt ihre Kleinheit. Etwa 1975/76 - Gymnasium St. Pölten - Geographieunterrich - der Lehrer sagt: "Das kleinste Dorf in der Region St. Pölten mit vier Häusern ist Senning." Darauf schnellt die Hand eines Schülers in die Höhe: "Herr Professor, dort wohne ich!" Dieser Schüler, inzwischen Doktor der Medizin geworden, wirkt heute als Oberarzt im Landesklinikum St. Pölten:

Eine Gemeinde gleichen Namens nördlich von Stockerau nahe der tschechischen Grenze gibt hin und wieder Anlass zu Verwechslungen. Aber dieses Senning, mit ca. 50 Häusern unvergleichlich größer, kann nicht mit der lieblichen Landschaft konkurrieren, in der das Senning der Marktgemeinde Kirchstetten liegt.

Der Kogelbaum vom Norden aus gesehenBesonders augenfällig in diesem Landstrich ist die Erhebung "Kogel", die schon aus weiter Ferne sichtbar ist. Auf ihrem höchsten Punkt steht der 1997 zum Naturdenkmal erhobene "Kogelbaum". Es ist eine Baumgruppe, bestehend aus einer Rotbuche (ca. 250 bis 300 Jahre alt) und einer Zerreiche (ca.100 Jahre alt). Die beiden Bäume sind der Rest eines Waldes, der um 1900 gerodet wurde.

Im Jahre 2006 wurde die Rotbuche von Fachleuten unter Aufsicht des Bezirksförsters von morschen Ästen befreit. Die Ausastung wurde notwendig, weil herunterfallende Äste eine Gefahr für Besucher des "Kogelbaumes" bedeuten. Nun sieht er recht zerzaust aus und ragt fast drohend in den Himmel. Trotzig steht er da und wird hoffentlich noch viele Jahrzehnte ein markanter Blickfang für alle bleiben!

Es wird erzählt, dass die Doppler Bürger/innen früher den "Kogelbaum" als zu ihrer Gemarkung gehörig angesehen haben. Ein offener Streit darüber mit den Senningern ist allerdings nicht bekannt geworden. Tatsache ist jedenfalls, dass der liebe Baum auf dem Grundstück Nr. 48, EZ 4, KG Senning, Gde. Kirchstetten steht.

Alljährlich findet am "Kogel" ein Sonnenwendfeuer statt. Dann pilgern die "Dopplinger" zu Fuß den Hügel hinauf und feiern fröhlich den althergebrachten Brauch der Sonnenwende. Von Doppel her ist der Weg zum "Kogel" hinauf besonders steil. Als im Jahre 2006 ein "Urgestein" der Doppler zusammen mit der Dorfbevölkerung zum Sonnenwendfeuer hinaufkraxelte, nahm er den direkten Weg, den er seit seiner Jugend schon x-mal gegangen war. Doch in diesem Jahr erschien er ihm ganz besonders steil. Er stöhnte und ächzte vor sich hin und brummte ärgerlich: "Der Weg zum Kogel rauf wird auch immer steiler!"

Das Flächenausmaß von Senning beträgt 63,83 ha. Im März 2007 sind 15 Bewohner (6 weiblich und 9 männlich) mit erstem Wohnsitz und 8 weitere Personen mit zweiten Wohnsitz amtlich gemeldet. Auf einer Landkarte aus dem Jahre 1821 wird die Ortschaft nur mit einem n vor dem ing, also Sening geschrieben. Vier Gebäude sind auf der Karte eingezeichnet, wobei das südlichste als "Seningerhof" Erwähnung findet. Von den vier Häusern existiert heute nur noch das Haus Senning 4/1, welches in der Mitte des 16. Jahrhunderts erbaut wurde. Alle anderen Wohnhäuser wurden im 20. Jahrhundert errichtet.

alte Laterne am Senninghof Zum Gebäude Senning 4/1 gehört der historische "Senninger Bergkkeller", der in den 30iger und 40iger Jahren des 20. Jahrhunderts zeitweise als Weinheuriger diente. Es wird erzählt, dass der Weinausschank auf Betreiben von Frauen aus den umliegenden Ortschaften untersagt werden musste, weil ihre Männer zu häufig und zu kräftig dem Weingenuss im Presshaus frönten. Im südlichen Teil des Bergkellers sind Teile der Umfassungsmauer sichtbar, die aus mächtigen Sandsteinen errichtet wurde. Eine imposante Weinpresse legt Zeugnis davon ab, dass früher in der Gegend neben Ackerbau und Viehzucht auch der Weinbau betrieben wurde.

Die landwirtschaftlich genutzten Flächen von Senning sind zum größten Teil an Bauern aus Paltram und Doppel verpachtet. Die zum Senninghof gehöhrenden Flächen und das Gebäude 4/2 mit Scheune und Stallungen dienen seit 2002 der Aufzucht von Pferden. Im "Gestüt Senning" werden englische Vollblüter aufgezogen und für ihre spätere Rennkarriere vorbereitet.

Zur Zeit der Niederschrift dieses Senningberichtes (Frühjahr 2007) liegt das Alter der Bewohner/innen zwischen 26 und 83 Jahren. Die Eigentümer der vier Anwesen befinden sich in Pension. Sie sind aber alle emsig beschäftigt und legen ihre Hände nicht in den Schoß. Ein Senninger soll besondere Erwähnung finden: Es ist Sepp Furtner aus dem Haus Senning 1, der sich um die kleine Ortschaft und um die "Mutter" Totzenbach sehr verdient gemacht hat. Wenn es gilt, vor allem schwere Gemeinschaftsaufgaben zu erfüllen, ist er zur Stelle!

Die jungen Leute gehen in Wien, St. Pölten, Neulengbach und Böheimkirchen ihrer Arbeit nach. Es ist zu hoffen, dass sie bald für Nachwuchs sorgen, damit in Senning wieder Kinderlachen zu hören ist und die Bushaltestelle ihre Daseinsberechtigung nachweist.

Danke für diesen Beitrag! Walter Sonnenschein, Besitzer von Senning 4, hat mir diesen Artikel am Ostersonntag, dem 8. April 2007 gesendet.

das Senniger Kreuz das Senniger Kreuz Das Senniger Kreuz steht seit Menschengedenken an der Wegkreuzung, wo der "Senninger Kirchweg" die Straße nach Fuchsberg verläßt. Früher wurde dieser Weg sehr viel begangen, zur Schule, Kirche, zum Einkauf - man kommt direkt über den Hausberg nach Totzenbach.

früherer BauernalltagOrtseingang
Alte Fotos der Bewohner von Senning Nr.3 und der Ortseingang vom Westen.