DEHIO Niederösterreich
2. Band, Ausgabe 2003, Seite 2344, 2345

TOTZENBACH. Gem. Kirchstetten. Polit. Bez. St. Pölten

Gassengruppendorf und Wasserschloss westl. [östlich!] von Böheimkirchen.- Urk. 1130. Urspr. Geschlecht der Totzenbacher (bis 1394); 1513-1823 Herrschaftszentrum der niederösterreichischen Trauttmansdorff-Linie. 1683 weitgehend abgebrannt. - Lockere Verbauung mit Haken-, Dreiseit und Vierseithöfen, tw. jüngst verändert, durchsetzt mit Einfamilienhäusern 2.H. 20.Jh.: Nr. 16, Kaiser-Franz-Joseph-Jubiläums-Volksschule, 1898. - Nr. 43 / Kleiner Bruckhof: Südl. des Ortes gelegen, 2flügeliger, durch Tormauer verbundener Bau. 1geschossiger Wohnteil mit hohem Giebel und Schopfwalmdach mit Dachhäuschen, hofseitig Arkadengang, 19. Jh., im 20. Jh. tw. erneuert.

PFARRKIRCHE Allerheiligen, mit ehem. Pfarrhaus (Nr. 36, 1 geschossig über Kellergeschoß mit Walmdach, um 1900 [1756 errichtet, 1901 umgebaut]) am westl. Ortsrand auf leicht abfallendem Gelände am Rand des ummauerten Friedhofs (Kruzifix um 1900). - Got. Staffellanghaus mit Langchor, einheitlich 3. D. 14. Jh. - Pfarre 1374 gegr. Durch Hans von Totzenbach, 1683 Chor tw. zerstört. Renov. 1901, rest. 1981/81.
Äußeres: Langhaus mit Strebepfeilern unter hohem einheitlichen Satteldach, die W-Wand glatt mit mittigem Stützpfeiler, zentral aufgesetzter, quadrat. kupferblechverkleideter Dachreiter mit Zeltdach 1756; die niedrigen Seitenschiffchöre auf der Höhe des Triumphbogens polygonal geschlossen; der polygonal geschlossene Hauptchor mit gleicher Firsthöhe und höherer Traufe als das Langhaus, tw. 2bahnige Spitzbogenfenster mit übergangenem Kreis- und Dreipass-Maßwerk, südl. Portalvorbau und Sakristeianbau 18. Jh. - Kriegerdenkmal von 1957 mit Gedenktafeln für die Gefallenen beider Weltkriege, am Chor.
Inneres: Langhaus, 3schiffige Staffelhalle, das Mittelschiff 4jochig mit Kreuzrippengewölbe auf polygonalen Wandvorlagen, im Mittelschiff 2achsige W-Empore kreuzrippenunterwölbt mit spätgot. Spindeltreppe um 1500 (?) im W-Joch des südl. Seitenschiffes; niedrige Spitzbogen zu den wesentlich niedrigeren schmäleren Seitenschiffen, diese je 3 jochige kreuzrippengewölbt mit einschnürendem Triumphbogen zum 1jochigen Chor mit 5/8-Scluss, vegetabile Schlusssteine mit reliefiertem Wappenschild Totzenbach im S-Polygon. - Der Chor nach Zerstörung des Gewölbes 1683 flachgedeckt 1699. Südl. got. Sitznische mit Blendmaßwerk (Rund- und Kleeblattbogenfries) am segmentbogigen Sturz; gegenüber got. Spitzbogige Sakramentsnische mit Blendfialen und orig. Rosettengitter sowie eine weitere freigelegte Nische und eine vermauerte Spitzbogenöffnung. Im Portalvorbau: Steinrelief 14 Nothelfer mit Stifterpaar (David Trauttmansdorff und dessen erste Frau Barbara Zenger von Schneeberg), ehem. Predella ca. 1520, tw. fragmentiert, eingemauert 1929; Steinrelief Ölbergszene, E. 15. Jh. - Im Chor Deckengemälde 14 Nothelfer von Josef Pitza 1953. - Ornamentale Glasmalerei 1889.
Einrichtung: Hochaltar, Säulenretabel A. 18. Jh., Altarbild Maria und Allerheiligen, Oberbild Trinität; Statuen Hll. Petrus und Paulus (ehem. Über den abgebrochenen Opfergangsportalen). - Seitenaltäre, links über dem Altartisch Kreuzigungsgruppe 1. H. 18. Jh. (?); re. schlichter Tischaufbau mit Ädikulaaufsatz, umgebaut von Josef Friedl 1948, Kopie der Altöttinger Marienstatuette. M. 18. Jh., flankierend Konsolstatuen Hll. Anna mit Maria und Johannes Nepomuk. - Hängekanzel mit Schalldeckel M. 18. Jh., mit Brüstungsbild 4 Evangelisten 19. Jh. - Orgel von Franz Meindl 1875. - Kreuwegreliefs in neugot. Rahmen 1901. - Statuetten Hll. Josef, Florian, Antonius, Theresia vom Kinde, Herz Jesu, um 1900. Neugot. Chorgestühl und Sakristeitür. Massiger oktogonaler Taufstein E. 14. Jh. - Grabdenkmäler. Im N-Schiff: Wappengrabstein Georg von Stunphsperg 1469; Gruftdeckel der Trauttmandorff mit Wappenkartusche, 17. Jh. (ehem. im Presbyterium); Maria Elisabeth 1664 und Ernreich Wibner(in) 1665. Im S-Schiff: Juditha Catharina Zellnerin 1681; Andreas Royß 1718; Maria Theresia Abflin 1755. - 3 Glocken von Fa. Josef Pfundner 1950.

SCHLOSS TOTZENBACH, Nr. 1, am nördl. Ortsrand. Urspr. Wasserburg, Sitz der urk. 1147 genannten Totzenbacher. In der heutigen Erscheinung von der Wiederherstellung nach 1972 geprägt. - Die Burg seit 1413 im Besitz der Trauttmansdorff, 1588-94 zu ehem. mittelalterlichem Pallas und Bergfried 4flügeliger 3 geschossiger Renaissancebau err.; 1823 an Fürsten Liechtenstein. O-Trakt 1857, S-Trakt 1894 abgetragen, ruinös - renov. und tw. Neubau 1972-79: Neuaufführung einer Wehrmauer, des Torturms im S und Rundturms an der NO-Ecke auf Grundmauern des ehem. S- und O-Traktes, sowie der Obergeschosse des SW-Stiegenturmes; Eindachung der Wohnflügel; Instandsetzung der Wassergräben des namensgebenden Totzenbaches mit großem Teich vor dem Brückentor im O. - 2 hakenförmige Wohntrakte als NW-Ecke mit hohen Dachspeichergeschossen und Walmdächern. Die von Wassergräben umgebene Anlage durch eine Wehrmauer regelmäßig 4seitig abgeschlossen. Der W-Trakt im Mauerkern im 16. Jh. adaptiert (Feuermauer bez. 1592), Rauchfang im Sgraffitodekor; der N-Trakt 2schiffig unterkellert, urspr. Zehentkasten 17./18. Jh.
Gerichtsstein zwischen Kirche und Schule, mit Reliefwappen bez. 170(.). [bezeichntete den Landgerichtsbezirk Pottenbrunn, 1988 vom Haspelwald (große Scheiben) hierher versetzt]

[Korrekturen und Bemerkungen von Leo Rollenitz]