Unser Ferdinand Landskron ist tot.
Totzenbach verabschiedete sich von einem seiner Großen. 

Erst war es nur ein Gerücht am Samstag dem 24. Jänner 1998 am morgen, niemand konnte es glauben - und doch wurde es mittags durch einen traurigen Anruf Gewißheit! Gerade jetzt, in dieser so hoffnungsvollen Zeit, wo er so aufblühte und ihm noch etwas Lebensqualität geschenkt wurde dieses abrupte Ende eines Lebens, das uns allen sehr viel Beispiel gegeben und Vermächtnis hinterlassen hat.

Es muß 1965 gewesen sein, beim ersten „Schloßheurigen" der Totzenbacher Feuerwehr. Wir hatten eine Verstärkeranlage aufgebaut um beim Nachmittagsbetrieb im Hof etwas Stimmung zu machen. Nachdem die Veranstaltung in der Schloßruine stattfand, hatten wir auch ein Tonband mit einem kurzen historischen Text über Schloß Totzenbach und seine Erbauer vorbereitet, welches ab und zu abgespielt wurde.

Bei einer dieser Darbietungen kam plötzlich ein Wiener Ehepaar und fragte, woher dieser Stoff stammt und ob es da nicht Bücher gäbe. Unsere „Weisheiten" stammten aus Kortan's Vermächtnis, und war in einem schmalen Heftchen, herausgegeben von einem Neulengbacher Verein unter A.Öllerer. Das erwähnte Ehepaar hatte eine Mutter im Bruckhof und fuhr damals noch an jedem Wochenende von Wien nach Totzenbach. So begann eine lange persönliche Freundschaft und wohl auch die Liebe zur späteren Wahlheimat Totzenbach. Bald darauf fand man eine kleine Wohnung im Dorf und mußte die Frühpensionierung aus gesundheitlichen Gründen bewältigt werden. Dr. Schrom aus Böheimkirchen erwarb sich mit seiner genialen Diagnostik hohe Verdienste und „Onki" konnte sich mit seiner Umwelt und den hier lebenden Menschen beschäftigen. Nie vergessen werden wir seine Diavorträge, die uns zum ersten Mal zeigten, wie schön unser Lebensraum ist! Bisher hatte man unsere kleinen Dörfer immer nur mit Verachtung und so mancher Überheblichkeit der Städter gesehen. Hier begann so etwas wie ein Selbstbewußtsein des Dorfes zu wachsen. Seine Gattin, sie hatte ihr Studium das ganze Leben nicht ausüben können, konnte sich jetzt endlich auch in die einschlägigen Bibliotheken eingraben und kannte beruflich fast alle Größen bei der Kulturverwaltung des Landes Niederösterreich, in der Bibliothek und im Landesmuseum. Eine sehr intensive Zeit der Heimatforschung begann, der Nachlaß eines Ferdinand Kortan wurde gerettet und aufgearbeitet und es entstanden die ersten Heftchen einer Schriftenreihe des Verein der Freunde Totzenbachs.

Ferdinand Landskron stellt rasch fest, daß es nicht leicht ist, Wissen zu vermitteln und er entwickelte mit seinem populärwissenschaftlichen Stil der späteren Hefte einen eigenen Stil von „Geschichten und Geschichte", welcher später auch von der offiziellen Seite der Kulturverwaltung als beispielhaft anerkannt wurde. Sicher war auch dieses Schaffen ein wesentlicher Grund dafür, daß der 1972 gegründete Verein der Freunde Totzenbachs in kurzer Zeit über 300 Mitglieder hatte und sehr erfolgreich und selbstbewußt Traditionen im Dorf pflegte und die als Jahresgabe für seine Mitglieder die begehrten Bände aus Landskronschem Schaffen verteilen konnte. Seine Gattin war dabei seine wichtigste Mitarbeiterin, Lektorin, wissenschaftliche Beratung und natürlich immer wieder auch Krankenschwester und Diätköchin. Ihr Verdienst liegt daneben auch im Organisationstalent, welches in der ersten Großveranstaltung, dem Jubiläum 600 Jahre Pfarrgründung im Jahre 1974 gipfelte. Das damals erschienene Heimatbuch war eine große Leistung für diesen kleinen Ort und ist auch heute noch die Grundlage für weitere Aufsätze und ein vielgebrauchtes Nachschlagewerk.

Es soll an dieser Stelle nicht jedes einzelne Werk erwähnt werden, vielleicht nur noch das großartige Buch „Alte und neue Dorfbilder", welches 1986 pünktlich zum Fest „Totzenbach - so war's einmal" erschien. Dazwischen lagen insgesamt 12 Bände der „Totzenbacher Geschichten" und zwei Großfeste, die durch Anregung und höchst wertvolle Mitarbeit der Familie Landskron ihren kulturellen Rahmen und damit die überregionale Originalität erhielten.

Aber das Interesse war keineswegs einseitig. Als Waaserschloßteich und Teich wieder erstanden wurde die Biologie des Wassers mit seinen Mikroorganismen Zentrum des Interesses und man fand Onki stundenlang hinter dem Mikroskop. Mikrofotografie - schon viel früher gab es in diesem Gebiet große Erfolge - wurde zum Zugpferd einer vielbeachteten „Wasserausstellung" und einige Publikationen in Tierzeitschriften zeugen von dieser Aktivität.

Neben all diesen Tätigkeiten mit großem Wert für die Allgemeinheit gab es immer ein offenes Herz für Bedürftige, die Not anderer Mitmenschen oder Hilfsorganisationen. Ob es nun die Feuerwehr war, wo man sogar die Patenschaft der Fahrzeuge übernahm, oder durch finanzialle Hilfe menschliches Leid und familiäre Katastrophen ein wenig mildern konnte, die Famile Landskron war immer mit erheblichen Mitteln dabei!

Aber ich möchte auch persönliches nicht unerwähnt lassen. Ich weiß nicht, wie viele Stunden ich das Glück hatte, sozusagen als Wahlsohn im Hause Landskron zu verbringen, eines weiß ich jedoch sicher - es war diese Zeit ein wesentlicher Beitrag meiner persönlichen Entwicklung. Der Mensch Ferdinand Landskron konnte überall nur durch bloße Anwesenheit Harmonie schaffen und war in jeder Lage ein geduldiger Zuhörer, welcher niemals laut seine Ansichten dozierte sonder stets ruhig und bescheiden mit einfachen Worten und Beispielen, aber besonders auch durch sein Vorleben überzeugen.

Wie freuten wir uns alle, als nach der bangen Zeit seines Spitalaufenthalt im Zuge seiner „Rekordoperation" mit den 6 eingepflanzten Bypässen bei einem Besuch im Rehabilitationsheim plötzlich wieder Energie und Lebenswille aus dem noch gezeichneten Gesicht strahlten, als er durch seine fröhliche und dankbare Art der Liebling der Schwestern und Mitpatienten war. Zu Hause dann die eifrige Benützung des Heimtrainers - man konnte zusehen, es ging ihm Woche für Woche besser, auch die treue Gattin hatte während des Krankenhaus- und Erholungsaufenthaltes gesundheitlich sehr schlecht ausgesehen und stürzte sich nur mit alter Energie auf Vorbereitungen für einige Artikel einer Festschrift zum Anlaß 1000 Jahre Neulengbach. Und so traf uns diese Nachricht unerwartet und gerade in einer Zeit der Hoffnung daß dem Paar noch einige schöne Jahre geschenkt sein mögen. Achtzig wäre er geworden am 10. Oktober 1998!

Das Begräbnis am Freitag, den 30. Jänner, einem strahlend schönen aber kalten Wintertag, bewies wie gern man ihn hatte hier in Totzenbach. Sogar die Männer der Feuerwehr, welche ihr Ehrenmitglied nun zur letzten Ruhe trugen, hatten feuchte Augen. Eine große Anzahl von Trauergästen begleiteten den würdigen Zug und man nahm Abschied von diesem „großen Wahlsohn" des Dorfes Totzenbach.

Wir werden uns bemühen, sozusagen als Vermächtnis, die Arbeit weiterzuführen, zumindest aber vorhandenes zu erhalten - trotz unserer Zeit, die für diese Art von Beschäftigung weniger übrig zu haben scheint. Vielleicht findet sich einmal jemand, welcher wenigstens die vergriffenen Heftchen der Schriftenreihe abschreibt um sie vielleicht auch mittels moderner Medien einem größeren Kreis von Interessierten wieder zugänglich zu machen.